Montag, 19.10.2026 18.00 - 20.00
Uni:Lokal, Wilhelmsstraße 21, 34117 Kassel

Universität und Militarisierung

 

Vortrag: Teresa Koloma Beck

Moderation: Johanna Schaffer + Abetare Prenici (Lehrende + Studierende der visuellen Kommunikation / Kunsthochschule Kassel)

 

Militarisierung heißt, Staat und Gesellschaft an den Bedürfnissen des Militärs auszurichten. Hochschulen und Forschungseinrichtungen beobachten und kommentieren solche Entwicklungen nicht nur. Angesichts multipler Krisen, des weltweiten Aufstiegs neoimperialer und illiberaler Politiken sowie der Vervielfältigung und Intensivierung von Bedrohungswahrnehmungen werden sie von diesen Dynamiken aktuell selbst erfasst. Als öffentliche und in Deutschland zumeist auch staatliche Institutionen sind sie mit der Erwartung konfrontiert, staatliche Bemühungen zur Verbesserung der nationalen Verteidigungsfähigkeit zu unterstützen. Die Vorstellung der Universität als kritischer Beobachtungs- und Reflexionsinstanz gesellschaftlicher Entwicklungen gerät dabei zunehmend unter Druck. Diese Situation macht auf die Ambivalenz der Universität aufmerksam, ein Ort zu sein, an dem sich Machtinteressen artikulieren, und gleichzeitig ein Ort, an dem Macht kritisiert und unterlaufen wird.

 

Der Vortrag will diese Konstellation aus konfliktsoziologischer Perspektive ausleuchten. Er wird darlegen, warum die akademische Arbeit an Pazifismus und Antimilitarismus in demokratischen Gesellschaften in Zeiten von Aufrüstung und Militarisierung besonders wichtig ist. Zudem wird er analysieren, wie sich verändernde Formen der Kriegsführung diese Arbeit vor neue Herausforderungen stellen. Zu diesen Veränderungen zählen die wachsende Bedeutung von Datafizierung und digitalen Technologien, die den Alltag zu einer primären Arena zwischenstaatlicher Kriege werden lassen, oder die zunehmende Verschränkung von außen- und innenpolitischen Konfliktlagen, die auch die Grenzen zwischen militärischen und polizeilichen Aufgaben zum Verschwimmen bringt. Mit diesen Entwicklungen verändern sich wichtige Strukturmerkmale, die für weite Teile antimilitaristischen und pazifistischen Denkens prägend waren. Wie können diese Traditionen auf die beschriebenen Veränderungen des Kriegsgeschehens reagieren?

 

Teresa Koloma Beck forscht zu Alltag und Globalisierung in Kriegs- und Krisenkontexten, mit besonderem Interesse für die Gegenwart kolonialer und imperialer Geschichte. Sie ist Professorin für Soziologie an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.

 

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